Massiver Fachkräftemangel im Gartenbau erwartet

[ 09.11.2011] Am 03. November 2011 lud der BHGL zum Forum „Ausbildung und Fachkräfte in Gartenbau und Landschaftsarchitektur“ nach Geisenheim ein. Dabei wurde der Frage nachgegangen, ob ausreichend gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte auch in Zukunft zur Verfügung stehen und ob die Ausbildungsinhalte den Anforderungen des Berufsfeldes gerecht werden.

Nach langen Jahren eines expandierenden Beschäftigungsmarktes für Absolventen der Landschaftsarchitektur und des Landschaftsbaues haben sich in jüngster Zeit Sättigungstendenzen gezeigt, erörterte Landschaftsarchitekt und BHGL-Vizepräsident Engelbert Lehmacher. Er empfahl den Studierenden, bei der Wahl eines planerischen Schwerpunkts vorsichtig zu sein. Es werden vor allem Absolventen gesucht, die ausreichend Praxiserfahrung haben, um die Bauleitung zu übernehmen. Daher hält er eine Intensivierung der praxisorientierten Ausbildung insbesondere für den privatwirtschaftlichen Landschaftsbau sowie für die privaten Planungsbüros für zwingend erforderlich.

Nach Frau Dr. Sabine Ludwig-Ohm vom Johann Heinrich von Thünen-Institut bildet der Garten- und Landschaftsbau mehr als doppelt so viele Auszubildende aus als der Produktionsgartenbau. Daher sei zukünftig im Produktionsgartenbau mit erheblichen Problemen bei der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften zu rechnen. Die sich auch in vielen anderen Branchen abzeichnenden Probleme bei der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften werden die Probleme im Gartenbau zusätzlich verstärken.

Auch Walter Holbeck vom Zentralverband Gartenbau erwartet aufgrund des demografischen Wandels einen deutlich spürbaren Fachkräftemangel im Gartenbau. Der Berufsstand sollte deshalb bei der Gewinnung arbeitsmarktfähiger Fachkräfte neue Wege gehen. Geeignete Maßnahmen wären die Frauenquote in der Ausbildung zu erhöhen, Jugendliche mit Migrationshintergrund anzusprechen, die Ausbildungsreife sicherzustellen, die Berufsorientierung zu verstärken sowie Arbeitslose, An- und Ungelernte nachzuqualifizieren. Ein weiteres Ziel muss es sein, die jungen Nachwuchskräfte im Beruf zu halten.

Der Bachelor sei für die Bauleitung völlig ausreichend, so Franz Josef Sieg von der Sieg + Partner GmbH & CO. KG. Die Betriebe schulen die Absolventen ohnehin hinsichtlich der betriebsinternen Abläufe. Das Fachwissen der Absolventen sei in Ordnung. Die Betriebe vermissen jedoch zunehmend die sozialen Kompetenzen. Besonders große Sorgen bereiten dem Garten- und Landschaftsbau, dass sich immer weniger Fachkräfte zum Meister und Techniker weiterqualifizieren lassen,

Für Andreas Kientzler von der Kientzler Jungpflanzen GmbH & Co. KG sind eine praktische Ausbildung oder ausreichend Praxissemester, administrative Kenntnisse, Personalführung und Sprachkenntnisse die wichtigsten Anforderungen an Bewerber. Da er keine guten Erfahrungen mit Stellenausschreibungen gemacht hat, gewinnt er seine Fach- und Führungskräfte durch Initiativbewerbungen, soziale Netzwerke und ehemalige Praktikanten. In allen Bereichen seines Unternehmens seien vor allem Bachelorabsolventen gefragt.

BHGL-Präsident Prof. Uwe Schmidt resümierte, die Studierenden sollten sich bereits frühzeitig im Studium orientieren, in welchem Bereich sie später arbeiten möchten. Beispielsweise durch Praktika oder Mitgliedschaften in Berufsverbänden könnten sie somit gezielt Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern aufbauen. Der Kontakt zur Praxis durch Praktika während des Studiums in möglichst verschiedenen Betrieben sei durchaus vergleichbar mit einer Berufsausbildung. Die Studierenden müssten jedoch Eigeninitiative zeigen, um Kontakte zu den Betrieben zu suchen.

Hier finden Sie die Vorträge der folgenden Referenten:

Bundesverband Hochschulabsolventen / Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V.
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